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04.12.2012 11:10 - Von: mari80

Sachbericht "here WE are"

Gruppe: here WE are
Bilder aus dem Projekt

Bilder aus dem Projekt

Sachbericht: „Here WE are“

1. Entstehung der Projektgruppe 

Wir sind eine Gruppe von Jugendlichen, die sich regelmäßig im „Jugendhaus Pumpelberg und im M56“ treffen. Wir sind zwischen 15 und 22 Jahren und kennen uns zum Teil aus Schule, von der Wohngegend, aus Familie. Die meisten wohnen in Osterholz-Scharmbeck, zwei kommen aus Bremen. 

Mit unseren Betreuern aus dem Jugendzentrum und auch untereinander haben wir uns oft über das Thema „Ausländer-Sein“, „Integration“ und auch Ausgrenzungserfahrungen unterhalten. Im Unterricht, aber auch in den Medien begegnete uns das Thema, aber oft hatten wir den Eindruck, dass unsere Sichtweise nicht gezeigt wird und oft nur über Jugendliche mit Migrationshintergrund geredet wird, selten mit. Unser Betreuer ermutigte uns (mit und ohne Migrationshintergrund) gemeinsam ein Projekt zu dem Thema zu machen und uns einige eigene Stimme zu geben, um unserer Meinung einen Platz zu geben. Dabei schlug uns die Bildungsstätte, ob wir Interesse an Formen wie Theater und Tanz hätten.

Die Gruppe hat öfter von den Leuten her gewechselt. Bei den Planungstreffen waren nicht immer alle da und 5, die am Anfang dabei waren, sind aufgrund von verschiedenen Gründen (Familie, Schule, Ausbildung, Maßnahmenbeginn) aus der Projektgruppe ausgeschieden, andere interessierte Jugendliche  sind dazu gekommen.

2. Projektverlauf

In dem Jugendhaus nahmen wir uns seit Anfang Juni regelmäßig Zeit, um an der Projektidee weiterzuarbeiten.  Wir buchten uns in der Bildungsstätte 3 Tage vom 29.06. bis 01.07.2012 und haben mit der Hilfe unserer Betreuer zwei Trainerinnen gefunden, die jeweils einen Tanz- und einen Theater-workshop (Antonia und Petra) machen würden. In den drei Tagen wollten wir neben den workshops, in denen wir lernen sollten, über Tanz und Theater unsere Meinungen auszudrücken auch für uns Zeit außerhalb des normalen Alltags haben, uns besser kennenzulernen und auch den Zusammenhalt in der Gruppe stärken.

Das Intensivseminar begann am Freitag in dem Tagungshaus Bredbeck und es nahmen 14 Leute teil. Wir wurden vom Jugendhaus von Hafid und einer weiteren Pädagogin Jana begleitet. Das Programm haben dann Mari, die Jugendbildungsreferentin, und den beiden workshop-Leiterinnen Antonia und Petra gestaltet. Nach der Zimmereinteilung in einem eigenen Unterkunftshaus, in dem wir als Gruppe allein waren und uns einrichteten, begann das Programm. Am ersten Tag haben wir einige Übungen zum Kennenlernen gemacht. Wir taten uns zu zweit zusammen und interviewten uns gegenseitig, bei einer anderen Übung mussten wir zu Fragen wie „Was machst Du in Deiner Freizeit am liebsten?“ oder „was für Musik hörst Du?“ antworten, in dem wir uns in die Ecke der Antworten stellten, z.B. Ecke A: hiphop, B: Pop, C:Elektro, D:Rock.  Mit den Personen in der gleichen Ecke sollte dann noch eine Gemeinsamkeit gefunden werden. Später bekamen wir als Gruppe noch Teamaufgaben, wie „Lava-strom“ und „Seildurchlauf“, bei dem wir als Gruppe zusammenarbeiten mussten, um die Aufgaben zu lösen. Später sollten wir in einer Identitätstorte darstellen, was alles zu unserer Identität gehörte, wie z.B. welche Sprachen wir zu Hause sprechen, welche Schulform wir besuchen, ob unsere Eltern aus einem anderen Land kommen, ob wir uns als Mädchen oder Junge sehen,  usw. Es war spannend zu sehen, dass wir  alle anders sind, aber auch viele Gemeinsamkeiten haben. Nach dem Abendessen stellten Antonia und Petra dann ihre workshops  vor, so dass wir sehen konnten, wie die beiden arbeiten und in welchen workshop wir gehen wollten. Dabei haben beide mit uns kleine Übungen gemacht. Am ersten Abend haben wir dann noch im Gruppenraum des Hauses zusammen Zeit verbracht.

Am Samstag nach dem Frühstück starteten wir dann unsere Arbeit in den jeweiligen workshops. Die workshops waren dann am Vormittag und später noch mal abends und Sonntag vormittags. 

In dem Theater-workshop wurden wir mit ersten Übungen in die Arbeit eingeführt: über Stimm- und Körperübungen wurden Ausdruckmöglichkeiten (z.B. Gefühle, Streiten nur über das Hin- und Herabzählen von 1 bis 30, Körperbewegungen zur Musik) ausprobiert. Im Laufe des Tages haben wir dann zusammen mit Petra ein Stück überlegt, in dem wir das „Wandern zwischen zwei Kulturen“ zum Inhalt hatten. Eine Jugendliche hatte die Idee, dass wir das dadurch darstellen könnten, dass eine Person von einem Land in ein anderes reist und somit die Unterschiede aber auch die Gemeinsamkeiten dargestellt werden könnten. Auf dieser Idee aufbauend haben wir dann Szenen erarbeitet, die wir Stück für Stück einprobten.

Parallel wurde im Tanzworkshop mit Antonia auch mit kleinen Übungen begonnen, in der jeder von uns zur Musik sich je einen move mit den Armen und einen mit den Beinen überlegen sollte. Diese sollten dann kombiniert werden und später haben wir unsere aller moves miteinander zusammengepackt. Antonia sammelte dann mit uns Themen, die uns wichtig seien, auszudrücken. Folgende wurden dann aufgenommen: „wer bin ich“, „was sehen andere in mir“, „Ausgrenzung“, „selbst bestimmen“, „Musik“, „Stark sein und kämpfen“, „Familie“, „Freunde“, „Internet“. Wir haben dann in Kleingruppen mit Antonias Hilfe überlegt, was für Musik (schnell, mit oder ohne Text, etc.) dazu passen könnte und mögliche kleine Szenen.

Am Nachmittag gingen wir dann in den Niedrigseilgarten, in der wir uns gegenseitig vertrauen und uns helfen mussten, um über den Parcour zu laufen, weil sonst hätten wir es allein nicht geschafft. Die Teamarbeit lief nach ersten Schwierigkeiten gut ab.

In einer anderen Übung haben wir das Thema „Ausgrenzung“ aufgegriffen, in der man jeweils in die Rolle der Ausgegrenzten als auch der Ausgrenzenden gehen konnte, um zu verstehen, wie sich das anfühlt. Wir sprachen darüber, dass neben Migrationshintergrund auch Aspekte wie Frau/Mann, ob man arm oder reich ist, eine Behinderung hat oder nicht, oder auf die Hauptschule geht oder aufs Gymnasium usw. zu Ausgrenzung führen kann.

Am Ende hatten wir dann eine Tanzperformance und ein Theaterstück in den workshops erarbeitet, was wir uns dann auch gegenseitig vorgeführt haben. Wir waren beeindruckt, was in der Kürze der Zeit möglich war und stolz, was wir hinbekommen hatten.

Im Pumpelberg haben wir dann an den Stücken weitergearbeitet, leider kamen nicht immer alle Leute zusammen, so dass das Weiterproben schwierig wurde. Wir haben es auch leider nicht geschafft ein eigenes Angebot aufzubauen, haben dann aber schon noch mal in einer kleinen Runde das Ganze aufgeführt, nach dem wir mit viel Mühe noch mal ein Probentermin gefunden hatten.

3. Erreichte bzw. nicht erreichte Ziele / Zielgruppe:

Das Seminar war unserer Meinung nach sehr gelungen, da wir wirklich in der kurzen Zeit sehr intensiv und auch konzentriert arbeiten konnten. Alle waren da und wir haben uns in der Zeit auch noch mal sehr gut kennengelernt, die Zielgruppe von Jugendliche wurde erreicht. Petra und Antonia waren tolle Profis, die uns viel in der Zeit beibringen konnten und wir hatten auch den Eindruck, dass die Performance von UNS war, da wir ja auch die Ideen und so eingebracht und das zusammen überlegt hatten. Das Pumpelberg und die Bildungsstätte hatten uns sehr gut unterstützt. Leider ist dann mit dem Alltag und das dann doch immer wieder viele die Zeit nicht hatten und keiner das Zepter in der Hand hatte trotz weiterer Unterstützung es dazuführte, dass wir unsere Idee von einem eigenen Angebot nicht zustande gekommen. Zumindest haben wir eine kleine öffentliche Vorführung umsetzen können.

Wir sind alle ein Stück selbstbewusster geworden und wir wissen jetzt, dass wir was schaffen können, wenn wir wollen und das Miteinander wurde gestärkt. Vor allem fanden wir es super, dass die Erwachsenen nicht bestimmt haben, was wir machen, sondern dass wir unser Ding machen daraus machen konnten.

4. Methoden

Wir hatten zwar Lust auf Tanz und Theater, aber als wir dann bei dem Seminar waren, haben wir gemerkt, dass das doch für uns sehr ungewohnt war so zu arbeiten. Einige haben sich geschämt vor der Gruppe was zu machen, andere konnten sich schwer konzentrieren. Aber Petra und Antonia haben uns sehr geholfen und es war für alle toll am Ende ein Ergebnis zu haben, was wir anderen vorführen konnten. 

Neben dem workshops waren die Teamarbeit-Sachen und die Spiele, insbesondere der Niedrigseilgarten sehr gut, da wir dadurch gelernt haben, dass wir auch im Team arbeiten können, wenn wir uns gegenseitig helfen.

Zur Vorführung im Pumpelberg haben wir Familie und Freunde eingeladen und die Leute, die eh immer da sind, sind auch dazu gekommen.

5. Kooperation  

Die Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus am Pumpelberg und dem Tagungshaus Bredbeck war sehr gut. Wir sind ermutigt worden und sie haben uns auch bei den Geld-Sachen und dem Termin finden und dem Transport zur Bildungsstätte geholfen. Ohne die Unterstützung hätten wir das nicht so hinbekommen. Wären Hafid und Jana nicht mitgekommen hätten auch einige Eltern nicht erlaubt, dass paar von uns mitkommen, aber die haben dann noch mal mit den Eltern geredet. Das Haus war auch sehr schön, da wir dort unser eigenes Haus hatten und auch das Essen und die Räume waren super. Die Bildungsstätte hatte auch die beiden: Antonia und Petra mit in das Projekt gebracht, die sehr gut mit Jugendlichen arbeiten können. Mari hatte die Spiele und die Teamübungen gemacht, die auch super waren.

6. Schlussfolgerungen und Perspektiven 

Was das Projekt gebracht hat:

-        Wir konnten uns in Tanz/Theater ausprobieren und unser eigene Persformance entwickeln

-        Der Zusammenhalt in der Gruppe ist besser geworden.

-        Wir hatten eine „Stimme“ durch unser Produkt. 

-        Wir konnten über unsere Themen reden und wir haben uns auch mal über das Thema Ausgrenzung und „wer bin ich“ ausgetauscht und wir haben gemerkt, dass viele bereits Ausgrenzungserfahrungen gemacht haben und wie sie das erlebt haben.

-        Wir sind offener geworden bei solchen Aktionen mitzumachen. Viele von unserer Gruppe sind später bei der deutsch-marokkanischen Fahrt unseres Jugendtreffs mitgefahren, bei der wir noch mal über unseren eigenen Tellerrand schauen konnten.

-        Die Übungen wie im Niedrigseilgarten haben unsere Teamarbeit verbessert.

-        Wir haben gelernt mit Stimme und Körper ganz viel auszudrücken, mutiger und selbstbewusster geworden auch vor anderen was aufzuführen.

 

Was lief nicht so gut und sollte nächstes Mal anders laufen?

-        Wir haben leider nicht geschafft ein regelmäßiges Angebot aufzubauen. Es ist schwer sich selbst zu organisieren und es fehlte oft an Verbindlichkeit, dass wir an einem Thema dran bleiben, weil jeder von uns im Alltag auch viel anderen Stress hat (Familie, Schule, Arbeit, usw.)

-        Daher war diese einmalige intensive Seminarzeit gut, weil wir da weg vom Alltag waren. Damit waren wir auch zufrieden, die Unzufriedenheit kam, da wir das vorgenommene nicht umsetzen konnten, und einige mehr gemacht haben als andere und keine Verbindlichkeit mehr da war. Wichtig ist glaube ich, ein kleines kurzes Projekt zu planen, wo die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass auch eine feste Gruppe von Leuten immer dabei bleibt.


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